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12.12.2020 / cso Mobilansicht
Lost Grounds:
Folge 6: Serlostraße (TuRa 1886 Essen)
In der sechsten Folge der Serie über Lost Grounds im mittleren Ruhrgebiet verabschiedet sich Uhltra jr heute von einem seiner Lieblingsplätze. Der Sportanlage Serlostraße im Essener Stadtteil Altendorf fehlt es wohl an Tribünen und sonstiger erwähnenswerter Ausstattung. Doch was hier zählt, ist Lage, Lage, Lage: Komplett mit Wohnhäusern umbaut, stellt die Serlostraße einen von nur zwei Hinterhofplätzen der neuntgrößten Stadt Deutschlands dar. Berücksichtigt man, dass es an der Keplerstraße, wo TuS Essen-West 1881 beheimatet ist, zu einer Seite hin einen Supermarktparkplatz gibt, ist die Serlostraße sogar der einzig echte Vertreter dieser charmanten Art.

Nutzer des mit roter Asche bedeckten Hinterhofplatzes war TuRa 1886 Essen, seines Zeichens einer der traditionsreichsten Vereine der Stadt. Gegründet von Bergleuten der benachbarten Zechen, hat TuRa 86 seit 1913 auch Fußball in seinem Angebot. Ein besonders prominenter Kicker der ersten Stunden war Willi Multhaup, der es als Trainer später zu großen Erfolgen bringen sollte: Von TuRa 86 ging es für Fischken über Schwarz-Weiß und Rot-Weiss Essen unter anderem zu Werder Bremen (Deutscher Meister), Borussia Dortmund (Europapokalsieger) und zum 1. FC Köln (DFB-Pokalsieger).

Als Willi Multhaup in den 1960er Jahren seine Titelsammlung anlegte, hatte TuRa 86 seine Glanzzeiten bereits hinter sich. Diese erlebte der Club, und damit auch der Platz an der Serlostraße, unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg: 1947 ließ TuRa 86 zwar Rot-Weiss und Schwarz-Weiß Essen hinter sich, um vier Punkte hinter den Sportfreunden Katernberg dennoch knapp an der Qualifikation zur dann erstklassigen Oberliga West vorbeizuschrammen. Ein Jahr später setzte sich der Club in seiner Landesliga-Staffel durch, belegte in der anschließenden Niederrheinmeisterschaft jedoch nur Platz 3; den Aufstieg und eine rosige Zukunft sicherte sich RWE. 1949 schnappte dann der Duisburger FV TuRa 86 den Aufstieg vor der Nase weg - punkt- und tordifferenzgleich mussten sich die Altendorfer mit der II. Division West begnügen. Hier verlor man rasch die Lizenz, trudelte über die Landes- und Bezirksliga bis in die Kreisklasse. Nach einer Konsolidierung gehörte man zwischen 1956 und 1970 wieder der Landesliga an. Seit 1981 ist TuRa 86 durchgängig in den Kreisligen beheimatet.

Einen großen Spieler brachte der Club auch in dieser Zeit der Erfolglosigkeit dennoch hervor: Ralf Mölders. Jahrelang Torgarant des ETB Schwarz-Weiß in der damals drittklassigen Oberliga Nordrhein, schlug der heimatverbundene Mölders alle Angebote höherklassiger Vereine und eine damit verbundene Profikarriere aus. Nach 311 Oberligaspielen und mehr als 100 Toren für Schwarz-Weiß Essen beendete Ralf Mölders im Jahr 2000 seine Laufbahn, wurde von den Fans des Vereins zum ultimativen Oberligaspieler gewählt. Als Trainer kehrte Mölders später zur Serlostraße zurück, hatte aber keinen Erfolg: Die Spielzeiten in der Kreisliga B häuften sich. Auch aktuell kickt der Verein auf diesem beklagenswerten Niveau, umringt von Zweit- und Drittvertretungen anderer Clubs.

Seit drei Jahren teilt sich TuRa 1886 mit Alemannia Essen (ehemals FC Alanya) eine neue Anlage im Krupp-Park. Keine 900 Meter Luftlinie entfernt wartet der alte Platz auf eine neue Nutzung und gammelt dabei traurig vor sich hin. Vor allem die Turnhalle ist in einem bedenklichen Zustand, den auch mehrere Lagen Bauzäune nicht verdecken können. Dass sich entlang der Seitenlinien des Aschenplatzes an der Serlostraße einst 15.000 Menschen für ein Testspiel gegen Borussia Mönchengladbach versammelt haben sollen, wie sich ein Mitglied des Ältestenrates erinnerte, kann man kaum glauben, wenn man heute von einem der Hinterhofparkplätze auf die Brachfläche mitten im grauen Häusermeer Altendorfs schaut.


       
       
   
Fotos: cso
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