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27.02.2021 / cso Mobilansicht
Lost Grounds:
Folge 22: Hausmannsfeld (DJK Juspo Frintrop 1921)
Stadtgrenzen zu erkennen ist im Ruhrgebiet keine ganz einfache Sache. Meistens geht die eine Kommune nahtlos in die nächste über, bisweilen liegt die Grenze sogar direkt zwischen zwei Häusern. Gänzlich unprätentiös ist auch der Übergang von Essen-Frintrop nach Oberhausen: Noch unscheinbarer hätte das Hinweisschild auf Höhe des kleinen Grünstreifens an Läppkes Mühlenbach - der Stammleser ahnt es: eine ehemalige Köttelbecke - wirklich kaum ausfallen können. Wer dem hier abzweigenden Rad- und Wanderweg gen Norden folgt, gelangt wenige Schritte später zum alten Platz der DJK Juspo Frintrop. Die Besonderheit dieses Lost Grounds liegt darin, dass am Hausmannsfeld auf Oberhausener Boden gleich zwei Essener Vereine ihre Heimspiele austrugen. Die vielbeschworene Metropole Ruhr ist in der Realität der Menschen schon lange verankert.

Die DJK Jugendsport Frintrop wurde 1921 gegründet. Zwei Jahre später mietete der Verein ein Gelände östlich von Läppkes Mühlenbach, legte es trocken und errichtete dort seinen ersten Platz. Am anderen Ufer, also jenseits der Stadtgrenze, existierte damals bereits eine zweite Anlage, auf der SuS 05 Frintrop beheimatet war. Um das Jahr 1945 herum verweigerten die Vereinsmitglieder dem Grundstückseigentümer die erbetene Unterstützung beim Wiederaufbau seines kriegsbeschädigten Wohnhauses. Aus Verärgerung darüber sägte eben dieser Wilhelm Hausmann unmittelbar vor einem Spiel kurzerhand die beiden Fußballtore ab. SuS 05 siedelte daraufhin zum Schemmannsfeld auf Essener Seite über.

Juspo Frintrop gründete sich nach dem schon mehrfach von uns thematisierten DJK-Vereinsverbot im III. Reich erst 1950 neu. Die Platzfrage klärte sich dafür umso schneller bei einem persönlichen Gespräch in der Küche der Familie Hausmann: Die Fußballer kickten nun fest auf dem verwaisten Rasenplatz, der damals die Anschrift Dellwiger Straße trug. Charakteristisch war ein Holzzaun zu drei Seiten des Feldes, den der Platzwart jeden Samstag ausbessern musste und von dem noch heute einige Reste übrig sind. Angrenzend baute sich der Club Ende der 70er Jahre auch ein Vereinsheim. Nicht mehr willkommen waren in diesem die Volleyballer, die sich 1979 im Unfrieden aus dem Gesamtverein ausgegliedert hatten, um fortan unter dem Namen VC Borbeck aufzuschlagen. VC Borbecks erste Damenmannschaft, die wir vor Corona regelmäßig bloggend besucht hatten, spielt momentan übrigens höchst erfolgreich in der 2. Bundesliga.

Eine erfolgreiche Zeit erlebte Juspo in den 70er und 80er Jahren: 1976 stieg die erste Elf in die Landesliga auf, die bis etwa 1983 oder 1984 gehalten wurde. Zeitweise war Juspo Frintrop hinter RWE und ETB sogar die Nummer drei der Stadt Essen und empfing bis zu 800 Besucher am Hausmannsfeld. 1980 gewann das Team zum zweiten Mal ein Endspiel um das traditionsreiche Borbecker Banner und schlug seinen Vormieter SuS 05 Frintrop glatt mit 3:0. Als 1990 die Anlage am benachbarten Schemmannsfeld auf zwei Aschenplätze erweitert worden war, zog Juspo Frintrop zum dritten Mal auf einer Fläche von nur 400x400 Metern um, strandete nach dem Rückzug seines Hauptsponsors jedoch in der B-Liga.

Der ursprüngliche Platz aus den 20er Jahren verschwand unter der dem Schemmannsfeld angegliederten Tennisanlage. Die Spielfläche am Hausmannsfeld renaturierte rasch; zwischen den aus dem Boden geschossenen Bäumen hat ein Landwirt für seine zutraulichen Tiere ein buckliges Idyll geschaffen. An den Fußballbetrieb erinnern nur noch die kümmerlichen Reste der metallenen Platzeinfassung und des Lattenzauns. In das Vereinsheim war zunächst ein Taubenzüchterverein nachgerückt, bevor die Ausflugsgastronomie Gartenhaus zu den vier Schafen bei den fünf Gänsen Einzug hielt. Die Eigentümer haben das alte Juspo-Vereinsheim (im Bild links mit Klinker) komplett renoviert und auch das Kassenhäuschen (rechts in weiß) vor dem Verfall bewahrt. Im Innern des Cafés wird das Andenken an den Verein mit historischen Fotographien hochgehalten - in der Ahnenreihe der Betreiber findet sich einer der Vereinsgründer.

DJK Juspo fusionierte am 01.07.2000 mit seinem Platznachbarn SuS 05 zum SC 05/21 Frintrop. Dessen erste Herrenmannschaft ist heute in der elften Saison ununterbrochen in der Bezirksliga beheimatet und sorgt zudem durch seinen Inklusionsschwerpunkt häufig für positive Schlagzeilen in der Essener Lokalpresse.

Der Autor bedankt sich herzlich bei Frau S. Hausmann und Frau G. Hausmann-Peters für ihre tatkräftige Unterstützung bei der Erstellung und Bebilderung dieser Folge.


       
       
 
Fotos: cso (1-6, 9), Bildarchiv Hausmann (7+8)
Bild anklicken für größere Darstellung.
 
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