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15.05.2021 / cso Mobilansicht
Lost Grounds:
Folge 35: Nevigeser Straße (SV Borussia Wuppertal)
Dass sein spektakulärstes Wochenenderlebnis einmal aus der zweistündigen Fototour zu einem verwaisten Lidl-Parkplatz in Wuppertal bestehen würde, hätte sich Uhltra jr bis vor einem Jahr auch nicht vorstellen können. Der Weg nach Uellendahl-Katernberg war dafür wohlbekannt: Wo heute ein großer Nahversorger seine Kunden willkommen heißt, hatte der Schreiber dieser Zeilen in der Vergangenheit nämlich eine ganze Reihe von Oberliga- und Jugendspielen verfolgt.

Die Historie des Platzes an der Nevigeser Straße reicht zurück bis zum 30. Oktober 1921, als der SV Germania 07 dort auf dem Gelände einer Ziegelei seine neue Heimat einweihte. Germania 07 spielte in den 1920er und 30er Jahren mehrfach erstklassig, wobei dieser Begriff im Kontext der von regionalen Ligen geprägten Zeit verstanden werden muss. 1954 schaffte der Club den Aufstieg in die drittklassige Landesliga und erreichte damit für kurze Zeit das höchste Amateurniveau.

Durch eine Fusion mit dem VfL 12 entstand 1976 der am Niederrhein besser bekannte Name SV Borussia Wuppertal. Auf Asche kickten sich die Borussen 1995 bis in die viertklassige Verbandsliga vor; zwei Jahre später erhielt die Nevigeser Straße als eine der ersten Anlagen der Region einen Kunstrasen. Uhltra jr erinnert diesen in ähnlicher Qualität wie die Baumarktware, die er jeden Frühling auf seinem Balkon ausrollt. Über und über mit Quarzsand bedeckt, stellte das Geläuf jeden Gast vor ein Gewöhnungsproblem. Ihren steten Höhenflug, der 2001 bis in die Oberliga Nordrhein führte, verdankte die Borussia freilich in erster Linie ihren schillernden Sponsoren: Auf der Brust prangte zeitweise Werbung für edlen Champagner, der Trainer ritt schon'mal werbewirksam auf einem Zirkuskamel in die Fußballarena. Klangvolle Namen wie Holger Fach, Joachim Hopp, Günter Pröpper, Michael Klauß und Jonny Hey gaben sich auf und neben dem Platz die Klinke in die Hand. Für die Topspiele, vor allem die gegen den Wuppertaler SV, war die Nevigeser Straße mit ihren 3.000 Zuschauerplätzen jedoch zu klein - Borussia musste hin und wieder ins ungeliebte Stadion am Zoo ausweichen.

Trotz sehr guter Platzierungen stellte sich die Regionalliga für die Ölberger als unfinanzierbar heraus. Das Versiegen von Sponsorengeldern bedingte 2003 schließlich die Fusion mit dem WSV, die eher einer feindlichen Übernahme glich: Das Emblem des WSV blieb unverändert, der Namenszusatz Borussia wurde oft ignoriert, von den übernommenen Spielern fanden sich die meisten in der zweiten Mannschaft wieder. Diese spielte in der Folge auf verschiedenen Plätzen in der Stadt, u.a. an der Paul-Löbe-Straße, der Oberbergischen Straße und am Gelben Sprung.

Als der Wuppertaler SV zehn Jahre nach der Fusion das Wort Borussia wieder aus seinem Namen strich, gründete sich der SV Borussia neu. Den Spielbetrieb hat man seitdem allerdings nicht wieder aufgenommen - auch weil der Verein nicht an die Nevigeser Straße zurückkehren durfte. Dort hatte der Wuppertaler SV inzwischen nämlich auf erneuertem Kunstrasen seine Jugendabteilung untergebracht (Bilder aus dem Jahr 2013, u.a. mit Thorsten Legat als Trainer der WSV U15).

Das Aus für die Anlage erfolgte im Jahr 2018. Die Stadt Wuppertal verkaufte einen Teil des Geländes für etwa 3.000.000€ an die Schwarz-Gruppe, die dort eine neue Lidl-Filiale errichtete. Der Erlös kam (quasi als späte Finanzspritze des verschmähten Fusionspartners) dem WSV für sein neues Nachwuchsleistungszentrum zugute. Die im hinteren Teil der Nevigeser Straße noch im Bau befindliche Turnhalle für die Ausbildungsschule des ehemaligen ETB-Publikumslieblings Danny Walkenbach finanzierte das Land NRW mit Fördergeldern in Höhe von 8.000.000€. An den ehemaligen Fußballbetrieb erinnert heute absolut nichts mehr: Die markanten Kassenhäuschen standen der Zufahrt im Wege; die Anzeigetafel an der Gegengeraden, die in ihrer alten Form erhalten blieb, wurde anderweitig benötigt; die Stufen des Zuschauerbereichs und das Vereinsheim sind eingeebnet worden und unter Parkplatzasphalt verschwunden. Das steinerne Ehrenmal für die im I. Weltkrieg gefallenen Sportler des Borussia-Vorgängers Germania 07 ist in das Waldstück auf der anderen Straßenseite versetzt worden.


       
   
Fotos: cso
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