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22.05.2021 / cso Mobilansicht
Lost Grounds:
Folge 36: Georg-Melches-Stadion (Rot-Weiss Essen)
Zu Rot-Weiss Essen kann man stehen, wie man will: Langweilig wird es bei diesem besonderen Verein nie. Die Geschichte von RWE und die des Georg-Melches-Stadions in der hier üblichen Form vorzustellen, wäre ein aussichtsloses Unterfangen. Das ewige Auf-und-Ab, die Triumphe und Skandale füllen ganze Bücher, von denen dieses hier besonders lesenswert ist. Stattdessen schaut der Schreiber dieser Zeilen auf eine Partie im Georg-Melches-Stadion zurück, die er tief in seinem Fußballgedächtnis abgespeichert hat.

Als vorübergehender - wir wissen heute: nicht endgültiger - Tiefpunkt der rot-weißen Vereinsgeschichte galt das Jahr 1998. RWE war aus der 2. Bundesliga bis in die damals viertklassige Oberliga Nordrhein durchgereicht worden. Der Zuschauerschnitt war deutlich unter die Marke von 5.000 gefallen, der Ruf hatte ob der finanziellen Turbulenzen arg gelitten. Uhltra jr., damals 15 Jahre jung, wurde über den Arbeitgeber seines Vaters gelegentlich mit Freikarten versorgt und kam so zu seinen ersten Partien an der Hafenstraße. Als Kinder des Essener Südens hatte die Familie die A40 bislang allenfalls zum Einkaufen in der Innenstadt gen Norden überquert; Bergeborbeck war Terra Incognita. Die Spiele gegen SuS Dinslaken, SCB Preußen Köln (beide 4:1) und den FC Wegberg-Beeck (1:1) gefielen durchaus. Ob sie die 25DM Eintrittspreis für die Haupttribüne wert gewesen wären, sei aber dahingestellt. Beim Derby gegen den ETB Schwarz-Weiß gab es keine Freikarten, doch das Geld war gut angelegt: Diese Partie blieb nachhaltig haften.

In der Hinrunde hatte sich der ETB im Grugastadion ordentlich blamiert, das Spiel mit 1:4 verloren, vor allem aber eine desaströse Organisation hingelegt. Mit 8.200 Zuschauern hatte man offenbar nicht gerechnet. Der Hausmeister von Uhltra jr's Arbeitsstätte berichtet immer wieder gerne von seinem Versuch, ein frischgezapftes Pils zu ergattern. An die Hafenstraße pilgerten am 14.03.1999 sogar 11.133 Fans, und Rot-Weiss kam damit erwartungsgemäß problemlos zurecht. Der Schreiber dieser Zeilen und sein Vater stellten sich auf die Osttribüne, was offiziell so etwas wie der Gästeblock war; andere ETB-Anhänger hatten die Haupttribüne bevorzugt. Anders als im Hinspiel lieferten sich Rot-Weiss und Schwarz-Weiß diesmal ein engeres Duell - obwohl sich RWE im Laufe der Saison als stärkstes Team der Liga erwiesen hatte und der ETB wie immer im Mittelfeld der Tabelle rangierte. Die Hausherren hatten zwar ein klares Chancenplus, doch der kultige Gästetorwart Thorsten Metzdorf erwischte einen perfekten Tag. Entlastungsangriffe für die Schwatten waren selten; die beste Chance vergab Michael Wurst, heute Stadionsprecher des VfL Bochum und regional bekannter Unterhaltungskünstler. Zehn Minuten vor Schluss ging Dirk Helmig im Zweikampf mit Ralf Zils zu Boden. Aus über 100m Entfernung im Abenddunkel war für Uhltra jr dennoch deutlich auszumachen, dass hier eine glasklare Schwalbe vorlag. Manchmal sieht man aber auch das, was man sehen will. RWE-Keeper Frank Kurth nahm sich das Leder und versenkte den Foulelfmeter gewohnt souverän - ausgerechnet Kurth, der wie Libero Yasar Kurt und Mittelfeldmotor Michael Lusch eigentlich fest beim ETB zugesagt hatte. Ganz gelaufen war das Derby freilich noch nicht, denn die Schwatten hatten in der Saison 1998/1999 einen ganz besonderen Spieler in ihren Reihen: Mittelfeldmann Andreas Blaumann, dessen Metier das Toreschießen weder vorher noch nachher jemals war, gelang in dieser Spielzeit ein Treffer nach dem anderen. In der 88. Minute bekam der ETB einen Freistoß auf die Ostkurve zugesprochen. Blaumann legte sich den Ball zurecht - und traf unhaltbar zum 1:1-Endstand.

Im Georg-Melches-Stadion wurde es still. Unfassbar still. Nur die wenigen hundert ETB-Anhänger rasteten komplett aus und feierten den Punktgewinn wie eine Meisterschaft. Dumme Sprüche für die Lackschuh-Supporter gab es an diesem Abend übrigens weder vor, während oder nach dem Spiel - man konnte offenbar gönnen.

Für Freunde der Nostalgie die Aufstellungen von damals: Rot-Weiss Essen: Frank Kurth - Yasar Kurt - Park Kyung-Hwan, Ebernezer Ayisi - Dennis Brinkmann (67.' Dirk Helmig), Knut Hartwig, Michael Lusch (C), Hasan Ugur - Tuncay Aksoy, Michael Hubner (46.' Jens Renkhoff), Oliver Ebersbach (46.' Miroslav Giruc). ETB Schwarz-Weiß: Thorsten Metzdorf - Patrick Notthoff - Matijas Derek, Ralf Zils (C), Oliver Koch - Stefan Janßen, Andreas Blaumann, Frank Kober (72.' Mike Manske), Marcel Gille - Jürgen Meier, Michael Wurst.

Das nächste Pflichtspiel der beiden großen Essener Clubs gegeneinander fand erst über elf Jahre später statt. Ebenfalls im alten Georg-Melches-Stadion siegte der ETB im Niederrheinpokalfinale 2010 sensationell 2:1 über den klassenhöheren Konkurrenten. Einen Rückblick auf diese denkwürdige Partie findet sich im Wiki der Uhltras.

Im Mai 2012 gingen im Georg-Melches-Stadion die letzten Fußballspiele über die Bühne (Bericht und Bilder vom Flutlichtfinale), bevor es dem Parkplatz des neuen Stadions wich. Erhalten hat man als Landmarke den Flutlichtmast westlich der alten Haupttribüne. Der Metallschriftzug von ihrem anderen Ende ist am Grünstreifen zu den Gütergleisen hin untergekommen, wo auch die gut gepflegten Schautafeln eines kleinen Freilichtmuseums an die bewegte Geschichte des Ortes erinnern. Die Fans haben den Namen Georg-Melches-Stadion zudem an einer benachbarten Bahnbrücke verewigt.


       
       

Fotos: cso
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