05.06.2021 / cso PC-Ansicht
Lost Grounds:
Folge 38: Clausewitzstraße (Hellas Wuppertal 1994)
Diesmal kam der Blog vor den Baggern. Überhaupt passte alles bei diesem 38. Lost Ground in der Corona-Dauerserie der Uhltras: Wuppertal hatte sein schönstes Regenwetter am Start, die Anlage war offiziell zur Begehung geöffnet und versprühte seinen morbiden Charme im Wettstreit mit den Wolken. Ein paar Kinder bolzten vergnügt in den Pfützen und freuten sich daran, dass hier niemand etwas absperrt, das ohnehin nicht mehr beschädigt werden kann. In ein paar Wochen oder Monaten wird das gesamte Areal nämlich eingeebnet und macht Platz für ein Gewerbegebiet, das hier einen guten Standort haben wird: Die A1 verläuft gleich hinter dem leergezogenen Vereinsheim, der riesige Umschlagbahnhof Langerfeld liegt in Sichtweite die Straße runter.

Mit der Umwidmung gehen an der Clausewitzstraße allerdings auch etwa 85 Jahre Sportgeschichte zu Ende. 1935 bis 1937 hatte der TV Beyeröhde zunächst gegenüber dem heutigen Platz eine Fläche für seine Zwecke hergerichtet. Für Schlagzeilen sorgte der Club, der 1987 und 2004 als Wuppertaler Verein des Jahres ausgezeichnet wurde, vor allem im Handball. Aushängeschild des TV Beyeröhde sind seine Handballdamen, die in der Saison 2007/08 Bundesligaluft schnuppern durften.

1994 beschloss die Stadt Wuppertal, den Aschenplatz an der Clausewitzstraße zu privatisieren. Beyeröhde lehnte einen Kauf ab; dafür schlug die griechische Gemeinde Apollon zu. Der TVB behielt nur das Vereinsheim und eine kleine Grünfläche davor.

Der aus der griechischen Gemeinde hervorgegangene Verein Hellas Wuppertal stieg auf Kreisebene rasch empor, war bis 2010 meist in der Kreisliga A beheimatet. Nach einer zweijährigen Konsolidierungsphase, in der Hellas nur noch mit einigen Jugendmannschaften am Spielbetrieb teilnahm, wagten die Herren 2012 einen Neustart in der Kreisliga C. Seit zwei Jahren ist man nun zurück in der Beletage des Niederbergischen Fußballkreises, spielt aber künftig zusammen mit dem CSI Milano Wuppertal an der Grundstraße. Die Untermieter der Wichlinghauser Kicker [sic] ziehen als B-Ligist in ihre eigentliche Heimat zum Nordpark; der TV Beyeröhde hat 2020 bereits ein neues Vereinsheim an seiner Sporthalle bezogen.



Die Anlage Clausewitzstraße Ende Mai 2021.
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Fotos: cso
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